Die Bauern von New York
Gestern hatte ich das brand-eins Magazin im Briefkasten, Titelthema: Gegessen wird immer – der älteste Markt und was wir von ihm lernen können. Das steigert natürlich meine Erwartungshaltung an diese Ausgabe, da hier offensichtlich mein berufliches Interesse Wirtschaft und mein Hobby Garten Schwerpunktthema sind. Im Artikel “Die Bauern von New York” geht es dabei schon wieder um den Trend des eigenen Gemüsegartens. Schon merkwürdig: innerhalb weniger Wochen behaupten drei Autoren/Magazine, der eigene Gemüsegarten sei ein Trend. Ich habe ja vor drei Tagen dazu geschrieben, daher hier interessante Gedanken und Informationen aus dem brand-eins-Artikel:
- in den US-amerikanischen Großstädten boomen Community Gardens, also Gemeinschaftsgärten, die sich auf unterschiedlichste Weise gegenseitig unterstützen: mit Saatgut, Workshops, Werkzeug aber auch in sozialen Bereichen oder mit Jobs.
- think global, buy local wird im Artikel auch aufgegriffen, dieser Trend wird dort allerdings locavore genannt. Strenge Trendfolger essen hierbei nur noch was im Radius von 100 Meilen produziert wird. Man muss es ja nicht gleich übertreiben, aber schön, dass dieses Bewusstsein sich auch dort ausbreitet
- es werden anschließend einige Vorzeige-City-Bauern vorgestellt, die Bienen auf New Yorks Hochhäusern züchten, Wein anbauen oder Tilapia züchten. Zitat des Bauern Ameroso: “Wenn ich weiß, was ich tue, stecke ich einen Dollar in die Erde und bekomme 20 Dollar zurück.”
- erstmals seit 1950 wurden in den USA wieder mehr Gemüse- als Blumensamen verkauft; Saatgut für Tomaten, Zwiebeln oder Paprika war in vielen Versandhäusern ausverkauft
- Barack Obama wird natürlich auch erwähnt: er mag keine roten Beete :-)
- ein Gärtner der Hudson Valley Seed Library, ein Gärtnerzusammenschluß zum Saatgutaustausch, bringt eine Tatsache auf den Punkt, die mich auch betrifft: “Viertausend Jahre lang haben Menschen gelernt, den Boden zu kultivieren und ihre Nahrung anzubauen. Innerhalb von zwei Generationen haben wir alles verlernt und die Initiative der Industrie überlassen.” Das bringt mich auf eine Idee für eine neue Rubrik: Was Oma Maria noch wusste :-)
- dann wird noch über Manny Howard, einem Journalisten, berichtet, dessen Story vermutlich verfilmt wird. Aufgrund eines finanziellen Engpasses nimmt er das Angebot an für 17.000 Dollar den Hinterhof seines Hauses als Farm zu nutzen und sich einen Monat ausschließlich von deren Erzeugnissen zu ernähren. Ging ziemlich in die Hose… Hühner fressen ihre Eier, Kaninchen töten ihre Jungen, Pflanzen gehen ein und letztendlich verwüstet sogar ein Tornado die Farm – der erste Tornado seit 1889 in Howards Gegend. Zwei Zitate: “Ich dachte, so ist sie halt unsere moderne Welt. Wir bauen unsere Häuser nicht mehr selbst. Wir schneidern unsere Kleider nicht mehr selbst. Warum sollten wir uns um unsere Nahrung kümmern? Wir sind zu sehr beschäftigt, zu tun, was wir tun.” und: Es war anstrengend, frustrierend und was ich erntete, sah nicht sexy aus, aber nichts ist erfüllender, als das zu essen, was man selbst produziert hat.”
Es gibt noch weitere interessante Artikel über Boden, Nestlé, holländische Tomaten, Wasser, Eier und und und. Ich werde sicherlich noch das ein oder andere hier posten. Empfehlenswerte Ausgabe!


