Der Erdapfel :-)

Ich möchte dieses Jahr erstmals Kartoffeln anbauen und habe mir daher zwei Sorten zu je 2,5 kg beim Biogartenversand bestellt: Anuschka (deutsche Züchtung aus 2004, gelb, oval, festkochend, sehr frühe Reifezeit) und Laura (deutsche Züchtung aus 1998, rote Schale, dunkelgelbes Fleisch, mittelfrühe Reifezeit, vorwiegend festkochend; Anbauempfehlung: Laura stellt mittlere Ansprüche an Boden und Wasserversorgung. Auf einen guten Kulturzustand des Bodens sollte geachtet werden. Sie sollte durch den mittleren bis hohen Knollenansatz bei einem Legeabstand (75 cm Reihe) von 30-32 cm gepflanzt werden. Laura ist für eine harmonische Düngung sehr dankbar.) – die Namen klingen für mich eher nach Kühen :-)

Aber wie funktioniert der Kartoffelanbau genau? Ich finde massenhaft Anleitungen im Internet, auch Erfahrungsbereichte der Hobbygärtner aus meiner Blogroll. Und dann wären da noch meine Gartenbücher. Hier also mal “meine” zusammengetragene Anleitung:

Boden/Standort:
Kartoffeln lieben lockeren, abgetrockneten und warmen Boden, gerne also einen Sandboden bis sandigen Lehmboden. Torfige Böden sind auch geeignet, wenn das Wasser ablaufen kann. Reine Lehmböden sind dagegen problematisch, können aber durch eine Herbstfurche oder Umgraben im Herbst mit Hilfe der Frostgare kartoffeltauglich gemacht werden. Beigaben von verrottetem Gartenkompost und/oder gut verrottetem Stallmist erhöhen den Ertrag.  Dabei ist der Kompost oder Stallmist am besten im Vorjahr oder stark verrottet im Frühjahr in den Boden einzuarbeiten.
Ideal ist es, im Sommer oder Herbst des Vorjahres eine Gründüngung in Form von Leguminosen wie Klee, Bohnen, Erbsen, Wicken oder Lupinen auf der künftigen Kartoofelanbaufläche auszusäen. Sie frieren dann im Winter ab und können im Frühjahr in den Boden eingearbeitet werden.
gute Nachbarn: Spinat, dicke Bohnen, Kohl, Meerrettich, Kümmel

Anzucht:
Es empfiehlt, sich die Setzkartoffeln ca. 4 Wochen vor dem Pflanzen vorzukeimen, wodurch die Kartoffeln einen Vegetationsvorsprung bekommen und bei Einsetzen der Krautfäule dickere Knollen haben als die nicht Vorgekeimten. Das Vorkeimen kann im Gewächshaus oder auf der Fensterbank bei ca. 15 Grad Celsius erfolgen, die Keime werden dadurch grün und dick und brechen beim Pflanzen nicht so leicht ab. Ende Februar oder Anfang März werden die Saatkartoffeln hierfür mit den größten Augen nach oben in eine Kiste oder Eierkartons gelegt.

Vorkeimen der Saatkartoffel ist sinnvoll ab Januar bei 5-7°C, niedriger Luftfeuchtigkeit und etwas Licht. Bei Pflanzkartoffeln sitzen die schlafenden Augen am Ende der Knolle. Diese Stelle heißt Krone und muss im Anzuchtbehälter (z.B. stapelfähige Obstkisten) nach oben schauen. Zur Pflanzzeit sollen die Triebe ca. 10 cm bis zu 3cm lang, stark und grün sein.

Zum Pflanzen brauchen die Kartoffeln im Frühjahr (Ende März bis Anfang Mai) einen abgetrockneten und lockeren Boden mit einer Temperatur von mindestens 7 Grad Celsius für vorgekeimte und 10 Grad Celsius für nicht vorgekeimte Kartoffeln. Dann werden die Kartoffeln in einer Reihe bis zu 15 cm tief und mit einem Abstand von 25 -40 cm mit dem Keim nach oben gepflanzt. Der Abstand der Reihen sollte zwischen 60 und 75 cm liegen. Das tiefe Auspflanzen erspart späteres Anhäufeln. Und Da bis Mitte Mai immer noch Frostgefahr besteht, brauchen Kartoffeln vielleicht länger, um sich an die Oberfläche emporzuarbeiten. Wenn sie dann ihre Blätter entfalten, dürfte die Frostgefahr jedoch gebannt sein.

Bei Heiner gibt es auch noch eine sehr detaillierte Anleitung zur Anzucht – und hier räumt er mit Kartoffelmythen auf.

Pflege:
Je nach Entwicklung die Kartoffeln mehrmals etwas mit Erde anhäufeln, um die Tochterknollen vor dem Sonnenlicht zu schützen (es sei denn, man hat tasächlich 15 cm gesät…). Bei Mischkulturen wächst weniger Unkraut zwischen den Reihen, die Mischkultur hält die Kartoffel feucht und auch das Anhäufeln muss nicht zwingend durchgeführt werden. Die Kartoffel braucht zum Wachsen ausreichend Wasser im Boden.

Probleme:
Im biologischen Anbau gibt es verschiedene Präparate gegen die Krautfäule, sie sind aber in der Wirkung umstritten. Am wirksamsten ist das Vorkeimen und wenn die Krautfäule kommt, das Kraut absterben zu lassen und nach ca. 3 Wochen mit der Schalenfestigkeit erst ernten. Ist die Krautfaeule erst einmal ausgebrochen, dann ist es für jede Art von Gegenmaßnahme zu spät. Kartoffelkäfer “bekämpft” man am besten durch Absammeln.

Ernte:
Reifezeit von 100 bis 160 Tagen, grüne Kartoffeln sind ungenießbar.
Die Ernte erfolgt also je nach Pflanztermin, Witterung und Reifegruppe der Kartoffelsorte von Juli bis Oktober. Auf alle Fälle vor dem ersten Frost. Bei Frühkartoffeln kann die Ernte evtl. sogar schon ab Juni laufend erfolgen, indem man vorsichtig die Seiten des Dammes aufgräbt, erntereife Kartoffel (Hühnerei groß) entnimmt und anschließend wieder abdeckt. Kartoffeln sind reif, wenn die Schale fest ist, sich also nicht mehr abreiben lässt.

Lagerung:
in einem dunklen, trockenen (höchstens erdfeuchten) und niedrig temperierten (4 Grad Celsius), aber frostfreien Raum. Bevor geerntete Kartoffeln eingelagert werden, müssen sie völlig trocken sein. Frühkartoffeln eignen sich nicht zum dauerhaften Lagern.

Nachfrucht (bei Frühkartoffeln):
Rosenkohl, Grünkohl und Chinakohl

So… und nachdem ich mit Tippen fast fertig war, habe ich einen auf eigenen Erfahrungswerten basierenden Artikel zum Thema bei Nachbar Hense gefunden. Und auch Ralf beschreibt seine Vorgehensweise beim Aufziehen und Aussetzen sehr anschaulich. Was solls, ist wie beim Lernen für Prüfungen: nur wenn ich mir die Materie selbst erarbeite, bleibt etwas hängen :-)

Und wenn schon Versandkosten für eine Bestellung anfallen, dann habe ich jetzt auch gleich noch den Pflanztunnel geordert, auch wenn er woanders 5,- EUR günstiger zu haben wäre….

Bild 21 510x302 Der Erdapfel : )

2 Gedanken zu „Der Erdapfel :-)

  1. Heiner

    Wenn man Deine Anleitung befolgt kann man kaum etwas falsch machen – eine spitzenmäßige Zusammenfassung der wichtigen Fakten! Nur an einer Stelle würde ich Einspruch einlegen. Du schreibst: Zur Pflanzzeit sollen die Triebe ca. 10 cm lang sein. Könnte es sein, dass Du da Millimeter meinst? Zentimeter hielte ich für viel zu lang, weil sicher viele der Triebe beim Pflanzen abbrechen würden.

  2. Daniel

    naja… ich habs ja nur zusammengetragen, der ein oder andere Satz ist auch von Dir. Trotzdem danke fürs Kompliment. Was die Trieblänge angeht, da hast Du bestimmt recht, muss ich korrigieren.

Kommentare sind geschlossen.