Reichtum ernten

An der Höhe und der Häufigkeit des Rasenschnitts lässt sich viel über die geistige und kulturelle Verfassung einer Gesellschaft ablesen. Je kürzer, je häufiger, desto naturfeindlicher.

Reichtum ernten – so lautet der Buchttitel des Buchs, das ich in einem örtlichen Garten- und Dekosupermarkt entdeckt habe. Der Titel klang für mich zunächst nach quantitativer Ertragssteigerung, weckte aber auf jeden Fall mein Interesse. Weit gefehlt. Mit diesem Buch wollen die Autoren auf den Verlust vieler Gemüsesorten in den letzten 100 Jahren, auf die vielen Organisationen (z. B. den VEN), die alte Sorten erhalten und auf die Gefahren genmanipulierter Sorten hinweisen. Sie stellen außerdem zahlreiche alte, kaum noch bekannte Gemüsesorten, z. B. Winterheckenzwiebeln, Cardy oder Haferwurzeln, und auch viele (ehrenamtliche) Bewahrer alter Sorten persönlich vor, z. B. Klaus Lang. Dass dabei die Gesellschafter des Dreschflegel in Deutschland eine wichtige Rolle spielen, wusste ich nicht. Da habe ich offensichtlich seit meinem Start als Hobbygärtner eine gute Wahl getroffen, da ich kürzlich zum dritten Mal bei Dreschflegel Saatgut bestellt habe.

Interessant fand ich auch, dass detailliert am Beispiel von Tomaten beschrieben wird, wie die Profis von Dreschflegel & Co. Saatgut gewinnen: erste, überreife Früchte ernten, Samen herausdrücken, alle Samen in Wasser geben, drei Tage gären lassen. Die keimfähigen Samen sinken nach ca. drei Tagen nach unten, der Glibber kann oben abgeseit werden. Gesammelte Samen in einem Sieb waschen und auf Zeitungspapier trocknen. Kühl und trocken in einem geschlossenen, luftdichten Glas lagern.

Für Gemüseanbauer mit Interesse an alten Sorten, altem Wissen und Vielfalt im Garten ist das Buch eine nette Anschaffung, auch wenn es auf 137 Seiten zwangsläufig noch relativ oberflächlich ist. Es gibt aber sehr gute, erste Einblicke in die Welt der Sortenbewahrer. Neu ca. 20 EUR, als Mängelexemplar für 13,- inkl. Versand gefunden.

 
 

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